Ein freier Bildungs- und Spielraum für alle Menschen in Weiden

„Ganz Weiden ist umzäunt.“ „Ganz Weiden?“ „Nein!“ Bei Stadtteilerkundungen in Weiden stoßen junge Menschen immer wieder auf Zäune und Schilder mit Aufschriften wie BETRETEN VERBOTEN oder PRIVATGELÄNDE. Es gibt heute im gesamten Stadtteil weder frei zugängliche Bolzplätze, Basketballkörbe oder Tischtennisplatten noch einen öffentlichen Begegnungsort für Bürgerinnen und Bürger in Weiden. Wie konnte es dazu kommen?

Die damalige Gemeinde Lövenich hat Anfang der 1970er Jahre das multifunktionale Bildungszentrum im Herzen Weidens errichtet. Im Bildungszentrum wurden u.a. eine Hauptschule, ein Gymnasium, ein Jugendzentrum sowie die Stadtbibliothek integriert und die gut ausgestatteten Spiel- und Freizeitflächen durften nach Schulschluss von allen jüngeren und älteren Bewohnerinnen und Bewohnern Weidens genutzt werden. Das Gelände wurde 2009 umzäunt. Mit der Auflösung der Hauptschule und dem Umzug des JuZe Weiden (2016) auf die andere Seite des Zauns befindet sich innerhalb der Umzäunung nur noch das Gymnasium. Zwischen dem Zaun und dem JuZe war eine der letzten verbliebenen Freiflächen in Weiden, die von jungen Menschen als öffentlicher Ort zum Spielen, Toben oder Chillen genutzt wurde. Diese Freifläche diente auch für zahlreiche Projekte der non-formalen Bildung wie z.B. medien- und zirkuspädagogische Angebote, für Stadtteilfeste und Begegnungen zwischen den Kulturen und den Generationen. Jetzt soll auch die Freifläche eingezäunt werden und zukünftig nur noch als „Klassenzimmer im Grünen“ des Gymnasiums genutzt werden.

Die Freifläche war ein lebendiger Ort der Begegnung: Kinder und Jugendliche trafen sich dort in ihrer Freizeit: „Man musste sich nicht mal verabreden“, beschreibt ein Jugendlicher aus Weiden: „einfach hingehen, es war immer jemand da, den man kannte!“. Da alle Sportanlagen in privater Hand der Vereine oder Wohnungsgesellschaften sind, können sie nur mit Mitgliedschaft genutzt werden. Daher rückt das Einkaufszentrum für junge Menschen immer mehr an die Stelle eines Freizeitortes. Jedoch ist der Aufenthalt hier am Konsum orientiert und schließt deshalb viele junge Menschen aus.

Wenn man seine Freizeit nicht zu Hause vor dem Fernseher oder Computer verbringen möchte, bietet sich das Kinder- und Jugendzentrum Weiden als gute Alternative an. Das JuZe kann als Freizeitstätte von jungen Menschen genutzt werden, um sich zu treffen und einfach entspannt miteinander etwas zu spielen oder im Jugendcafé zu chillen. Als non-formale Bildungseinrichtung kann es junge Menschen durch das Erleben und Überwinden eigener Grenzen in der Handlungsfähigkeit stärken. Im Haus können Angebote wie z.B. Capoeira, Kochen oder Hausaufgabenhilfe wahrgenommen werden. Jedoch bedarf es beispielsweise für Kooperations- und Bewegungsspiele oder für erlebnispädagogische Angebote ausreichende Bewegungsfreiheit und nicht die Einengung durch Mauern und Zäune. Dafür reichen die 3m x 25m asphaltierte Außenfläche des JuZe Weiden bei weitem nicht aus.

Zudem könnten durch den Erhalt der Freifläche weiterhin schöne Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden, wie zum Beispiel durch die letztjährigen Zirkusvorstellungen oder Stadtteilfeste, die durch ein buntes Rahmen- und Bühnenprogramm unterschiedlicher Gruppen und Vereine mitgetragen wurden. Solche Begegnungen können nur stattfinden, wenn es weiterhin einen zentralen öffentlichen Begegnungsort gibt.

Deswegen fordert BÜRGER*INITIATIVE für freien Bildungs- und Spielräume WEIDEN, der sich auch das JUZE angeschlossen hat, die Freifläche zwischen dem Georg-Büchner-Gymnasium und dem JuZe Weiden zu bewahren. Sie nur als „Klassenzimmer im Grünen“ zu nutzen, wäre viel zu schade! Genau wie das von Asterix und Obelix heiß geliebte gallische Dorf eröffnet unser freier Bildungs- und Spielraum viele Möglichkeiten, die allen Menschen in Weiden zu Gute kommen: den Bürgerinnen und Bürgern Weidens, der pädagogischen Arbeit des JuZe und den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums, die sich auch für den Erhalt der Freifläche engagieren.